Ab dem Schuljahr 2024/2025 wird das jahrgangsübergreifende Lernen Bestandteil unserer schulischen Arbeit sein.

Am 26.06.2023 hat dies der Schulausschuss in Anwesenheit der Schulleitung beschlossen. In diesem Gremium, bestehend aus zwei Schülervertreterinnen und -vertretern aus den zweiten Klassen, zwei Vertreterinnen und -vertretern aus dem Schulelternbeirat und zwei verantwortlichen Lehrkräften, wurde  mit einem einstimmigen Ergebnis (6 : 0) für die Einführung von jahrgangsübergreifenden Lerngruppen ab dem Schuljahr 2024/25 gestimmt.

Im Vorfeld gab es einen schulübergreifenden Elternabend zu dem Thema. Dann eine Podiumsdiskussion mit erfahrenen Vertreterinnen und -vertretern aus verschiedenen Schulen, welche schon jüL umsetzen, aufnehmenden weiterführenden Schulen und einem Elternteil sowie einem Schüler, die in ihren jeweiligen Rollen Erfahrungen mit jüL gesammelt haben.
Außerdem gab es die Möglichkeit, sich am Tag der offenen Tür über die Arbeit der Brüder-Grimm-Schule in der Praxis zu informieren und zu hospitieren.

Das Kollegium der Brüder-Grimm-Schule arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich und innovativ zum Wohle der Kinder.
Den Aufgaben der Inklusion, der Differenzierung und Individualisierung haben wir uns stets gestellt und Konzepte entwickelt, die kein Kind zurücklassen oder „aussortiert“. Aber auch die Forderung der Kinder war uns stets ein Anliegen, so dass wir auch bei Wettbewerben wie Jugend forscht stets mit Schulpreisen und 1. bis 3. Plätzen auch gegenüber weiterführenden Schulen bestehen konnten sowie mehrfach als MINT-Schule ausgezeichnet wurden.

Der nun mit einstimmigen Beschluss des Kollegiums gewünschte weitere Schritt zu jahrgangsübergreifendem Lernen ist über Jahre gereift, vielfach diskutiert, reflektiert und für uns ein logischer sowie naheliegender Schritt.
Dass dieser geplante Schritt zu Verunsicherungen und Fragen führt, ist uns bewusst und in solch einem Prozess unvermeidlich.

Einige häufiger gestellte Fragen zu jüL möchten wir daher im Folgenden beantworten:

  1. Welche Vorteile soll jüL denn haben?

    Wir stellen immer wieder fest, dass die Motivation von Kindern durch das Lernen von- und miteinander besonders hoch ist.
    Beim Erklären festigt sich Gelerntes und sich selbst als wirksam zu erleben motiviert ungemein und macht stolz!
    Andererseits ist der Ansporn bei z.B. jüngeren Schülerinnen und Schüler besonders hoch, auch das zu können, was größere Freunde/Vorbilder können (Sie kennen dies sicherlich auch aus familiären Zusammenhängen. Die jüngeren Kinder orientieren sich stark an den Größeren, lernen vieles schneller und fordern vieles auch schneller für sich ein).

    Erstklässlern und neuen Mitschülerinnen und -schülern fällt es häufig schwer, Regeln zu erlernen und/oder sich auf das Lernen einzulassen. Dies bindet sehr viel Energie. In jahrgangsgemischten Klassen erfolgt die Anpassung und das Regellernen sehr viel schneller.
    Kinder mit besonderen Stärken in verschiedenen Bereichen finden in Jahrgangsklassen nicht immer Kinder mit ähnlichen Interessen und Stärken. In jahrgangsgemischten Partnerklassen (siehe Punkt 3) ist dies einfacher.Bislang kam es häufiger vor, dass bei Änderung der Schülerzahl durch Zu- oder Wegzug Klassen zusammengelegt werden mussten (aus 3 Klassen werden 2 Klassen) oder aufgeteilt werden mussten (aus 2 Klassen werden 3 Klassen). Da neu hinzukommende Kinder auf alle Klassen aufgeteilt werden können, ist dies nicht mehr notwendig.
    Kinder mit Schwierigkeiten wiederholen eine Klassenstufe häufiger freiwillig.
    Der Nachteil bislang: Die gewohnte Lerngruppe musste verlassen werden. Eine Angst vor Stigmatisierung entstand. Unter jüL verbleibt das jeweilige Kind einfach ein Jahr länger in der gewohnten Lerngruppe.
    Soziale Kompetenzen und das Verantwortungsbewusstsein füreinander werden gestärkt.
    Gerade eher verhaltensauffällige Schülerinnen und -schüler übernehmen gerne Verantwortung für jüngere oder schwächere Kinder. Dies wirkt sich dann natürlich auch positiv auf die Arbeitsatmosphäre aus.Die von Ihnen als Eltern in unserer Umfrage vom Mai 2022 am meisten genannten und für Sie wichtigsten Zukunftskompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit werden wir mit unserem jüL-Konzept besonders gut erreichen können.
    Sehen Sie auch den Beitrag Schule der Zukunft unter Teilnahme an SE-Projekten.
  2. Werden die Kinder in jahrgangsgemischten Gruppen denn genügend lernen und auf die weiterführenden Schulen vorbereitet? Wie sieht es mit Leistungsnachweisen aus?

    In Bezug auf die Leistungsfeststellung wird sich nichts im Vergleich zu der bisherigen Vorgehensweise ändern. Wir sind weiterhin den Bildungsstandards verpflichtet und es wird auch künftig eine Notengebung ab der vierten Klasse geben.
    Genauso wird es auch weiterhin gruppenbezogene wie auch individuelle Leistungsfeststellungen geben, die an den in einem Schuljahr zu erreichenden Kompetenzen orientiert sind.
    Die Brüder-Grimm-Schule, als Schwerpunktschule, beschult bereits seit Beginn der Inklusion leistungsmäßige Mischungen in allen Klassen von Kindergartenniveau bis zur weiterführenden Schule.Da wir inklusiv Kinder mit ganzheitlicher Beeinträchtigung, mit Lernbeeinträchtigungen bis hin zu hochbegabten Schülerinnen und -schüler beschulen, müssen wir bereits jetzt schon in einem Höchstmaß differenzieren.
    Des Weiteren haben wir durch unsere deutschlandweit einzigartigen an die Bildungsstandards gekoppelten Kompetenzraster eine sehr gute Grundlage, um die Lernentwicklung der Kinder zu beobachten und zu dokumentieren. Diese sind auch weiterhin Bestandteil der Schüler-Eltern- Lehrergespräche und können auch zu anderen Zeitpunkten von den Eltern auf Nachfrage eingesehen werden.Die Rückmeldungen der weiterführenden Schulen zu von uns abgegebenen Kindern mit entsprechenderen Empfehlungen sind durchweg gut.
    An unserer Arbeitsweise wird sich nicht vollkommen grundlegend etwas ändern.
  3.  Wie sollen die Kinder denn ab nächstem Schuljahr aufgeteilt werden? Werden Freundschaften dann nicht auseinander gerissen?Wir werden aus 12 bestehenden Klassen fünf “Partnerklassen” bilden. Diese Partnerklassen kooperieren als Großteam besonders eng. Das hat den Vorteil, dass wir den Klassen mehr Lehrerwochenstunden zuteilen können und somit einen Zuwachs von ca. 60% von doppelbesetzten Stunden gewährleisten können.
    Außerdem entstehen dadurch räumliche Vorteile, da wir dann frei gewordene Klassenräume für zusätzliche Angebote nutzen können (z.B. Psychomotorikparcours, Druckwerkstatt u.a.m.).
    In einem Großteam können etwa zwischen sechs und zehn Kinder einer bisherigen Jahrgangsklasse aufgenommen werden.Die Kinder werden im späteren Frühjahr Wünsche äußern dürfen, mit welchen Kindern sie gerne zusammen in der Großgruppe sein möchten. Dies wird sich aber zunächst auf eine kleinere Anzahl an Kindern beschränken.
    Letztendlich werden wir als Kollegium unter Berücksichtigung verschiedenster Gesichtspunkte (Geschlecht, Beeinträchtigung, besondere Bedarfe, Freundschaften, Bindungen zu Lehrkräften etc.) entscheiden, wie die Klassen zusammengesetzt werden.Wir sind uns aber sicher, dass wir gute Lösungen finden werden und sich die Kinder auch sehr schnell an die neue Situation gewöhnen werden und weitere Freundschaften schließen werden.

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